Mitglieder der Arbeitsgruppe Biodiversität hat am Tagfalter-Monitoring am Geschwister-Scholl-Gymnasium Taucha teilgenommen. Sie waren begeistert von dem über Jahre dauernden Engagement der Schüler*innen und den interessanten Ergebnissen, die auch Aufschluss über den Zustand unserer Umwelt geben. Hier ihr Bericht: „Wie eine Schatzsuche“ und „Jeder Fund ist ein Erfolg!“ und „Neue außergewöhnliche Falterexemplare!“ Mit diesen Worten leiteten Schüler*innen (im Bild v.l. Vivian Porsche, Marleen Menzel, Frieda Protze) des Grundkurses „Nachhaltigkeitsforschung“ der Oberstufe des Geschwister-Scholl Gymnasiums Taucha (GSG) den Vortrag ihrer Abschlussarbeit zum Tagfalter-Monitoring ein. Begeisterung begleitete alle Vorträge und zog auch uns Zuhörerinnen in ihren Bann. Mit großer Motivation und starkem Engagement suchten 23 Schüler*innen über zwei Jahre einmal pro Woche Tagfalter, bestimmten und zählten die Anzahl der jeweiligen Arten.

Kurs hat Tradition und wird wissenschaftlich begleitet

Das Tagfalter-Monitoring besitzt eine lange Tradition am GSG. Seit dem Schuljahr 2009/2010 ist das Monitoring ein zentraler Bestandteil des naturwissenschaftlich orientierten Grundkurses der Sekundarstufe. In besagtem Kurs stehen sowohl das Unterscheiden der verschiedenen Tagfalter, als auch die Erarbeitung von Nachhaltigkeitsindikatoren mittels vorher erarbeiteter, wissenschaftlicher Methoden  im Vordergrund. Tatkräftig angeleitet und unterstützt wurden die Kursteilnehmer*innen dabei sowohl von ihren Lehrern Herrn Temper und Herrn Kriewald als auch von Herrn Feldmann, der das Monitoring als Vertreter des Umweltforschungszentrums Leipzig wissenschaftlich begleitet. In einem abschließenden Kolloquium und einer schriftlichen Facharbeit erhielten die Schüler*innen Gelegenheit, ihre erworbenen Kenntnisse zusammenzufassen und zu diskutieren.

Von April bis Oktober mit dem Kescher unterwegs

Damit die Ergebnisse der Schmetterlingszählungen ausgewertet und vorgestellt werden konnten, mussten die Teilnehmer*innen jedoch zuerst einmal in unermüdlicher Fleißarbeit vor allem eines tun:  über eine sehr lange Zeit einmal wöchentlich Tagfalter suchen und zählen. In der jährlichen Beobachtungssaison von April bis Oktober bedeutete das für die sechs Kleingruppen, sich einmal wöchentlich mit Kescher, Bestimmungshilfen und Beobachtungsgefäßen auszustatten und an einem der sechs verschiedenen Standorte in Taucha und Umgebung Falter zu suchen, zu bestimmen, zu zählen und ihre Ergebnisse zu dokumentieren. Schon in der Zählsaison wurde dabei deutlich, dass jeder Standort ganz unterschiedliche Bedingungen bot.

Doch damit nicht genug. Nun mussten die gezählten Ergebnisse in wissenschaftlicher Manier von den Jugendlichen ausgewertet, geordnet und interpretiert werden. Dabei arbeiteten die Nachwuchsforscher*innen nach wissenschaftlichen Manier und überprüften vorher selbst aufgestellte Thesen anhand ihrer erhobenen Ergebnisse. Dabei stellten sich die Schüler*innen zahlreiche Fragen: Was spielt eine wichtige Rolle im Schmetterlingsleben? Welche Auswirkungen haben wechselnde Temperaturen, Windstärken und Bewölkungsdichte auf die Zählergebnisse? In welchen Biotopen fühlen sich welche Falter wohl? Wo finden sich die besten Futterpflanzen für Raupen und Schmetterlinge?

Tagfalter besonders sensibel für Umweltveränderungen

Da besonders die Tagfalter anfällig für Umweltveränderungen sind, gelten sie allgemein als wichtige Bioindikatoren. Darum ist es besonders interessant, was die Jugendlichen zusammentrugen: So zeigte sich nahezu in allen sechs Kleingruppen, dass 2021 im Vergleich zu den beiden Vorjahren eine Zunahme bestimmter Falter in den sechs Beobachtungsgebieten Tauchas feststellbar war. Aufgrund der regenreicheren Zählsaison 2021 und damit deutlichen Vorteilen im Hinblick auf die Vegetation wurden vor allem Kohlweißlinge besonders häufig entdeckt. Aber auch Aurorafalter, das Kleine Wiesenvögelchen, das Große Ochsenauge, der Faulbaumbläuling, der Hauhechel-Bläuling und der Kleine Permutterfalter wurden an den Standorten gesichtet.

Besonders die verschiedenen Arten der Weißlinge dominierten bei den Zählungen der Schülergruppen deutlich. Die Ursachenanalyse hierzu konnte jedoch (noch) nicht eindeutig geklärt werden. Vielleicht ein Ansporn für die nächste Forschergeneration am GSG Taucha, die ihre Ergebnisse hoffentlich im nächsten Frühjahr darstellen wird.

Sorge um Dunklen Wiesenknopf Ameisenbläuling

Bei aller Freude über die Zunahme der Weißlinge: Einen Wermutstropfen gibt es leider auch. Der Dunkle Wiesenknopf Ameisenbläuling ist seit 2011 am Großen Seich nicht mehr gefunden worden. Er benötigt für seine Arterhaltung das ökologisch perfekt aufeinander abgestimmte Zusammenspiel von Flora und Fauna.  Nur auf der Blüte des Dunklen Wiesenknopfs legt er seine Eier ab. Sobald die Larven herunterfallen, werden sie von der roten Gartenameise als Wirtsameise in deren Bau getragen und dort von dieser gepflegt. Die Falterlarven fressen derweil bis zu ihrer Verpuppung „räuberisch“ die Ameiseneier. Dabei hinterlassen sie den Ameisen als „Lohn und Futter“ ein zuckerhaltiges Sekret.

Die Hoffnung der Schüler*innen, dass der Falter irgendwann aus anderen Gebieten wieder „rüberfliegt“, dämpfte Herr Feldmann: Der Dunkle Wiesenknopf Ameisenbläuling sei ein Kurzstreckenflieger. Er könne lediglich 50m weit fliegen und sei dadurch sehr ortsfest. Herr Feldmann betonte deshalb die Notwendigkeit, die Arbeit am Biotop-Verbund für Taucha auszubauen.

Ergebnisse sehr wertvoll für Analyse der Biodiversität

Auch wenn die Falter im September häufig wegen der Mahd der Flächen nicht mehr auffindbar sind, bleiben die Fragen der Schüler*innen: Welcher Faktor beeinflusst das Auftreten oder die Verringerung der Tagfalter? Wie steht es mit der Artenvielfalt? Welche Bestände sind gesichert, welche gefährdet? Welche Rolle spielt der menschengemachte Klimawandel? Welchen Anteil hat  die intensive Landwirtschaft? Auf viele dieser Frage gibt es keine einfachen Antworten. Doch durch  den Einsatz der Zählgruppen, durch ihre kritischen Fragen und das Hinterfragen für mögliche Ursachen des Tagfalterauftretens leisten die Schüler*innen einen wesentlichen Beitrag zu Untersuchung der Veränderungen der Biodiversität in der Region Taucha.

Präsentationen sollten über die Schule hinaus bekannt werden

Den 23 Schüler*innen bei ihren Präsentationen zuzuhören, war spannend, lehrreich und mitreißend zugleich. Die gut recherchierten  Arbeiten  des Nachhaltigkeitskurses sind viel zu schade, um in den Rechnern der Schülerinnen als Datensammlung zu enden – sie  sollten vielmehr unbedingt eine größere Beachtung erhalten – sowohl am GSG Taucha als auch in der Öffentlichkeit der Stadt Taucha. Die Arbeit der Jugendlichen und ihre Ergebnisse sind es wert, gehört zu werden und vielleicht führt das bei dem einen oder anderen Tauchaer dazu, seine Blühstreifen nicht im September abzumähen, sondern den Lebensraum zu erhalten. Eines ist inzwischen allen klar: Klima- und Artenschutz gehören heutzutage auch in die Innenstadt. Zur zur Freude aller Schmetterlingsliebhaber und zu unser aller Nutzen.

Quellen: Tagfalter-Monitoring, Jahresbericht 2010,  https://www.ufz.de/tagfalter-monitoring/